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Yoga

Die Lebensgeschichte der Diana Petersen

„Reinkarnation & Karma“ sind ein wichtiger theoretischer Bestandteil im Rahmen der Yogalehrerausbildung, die ich leite, und mir fällt immer wieder auf, welchen ungeheuren Gesprächsbedarf es gibt, wenn es um den Tod und den „Glauben“ an die Wiedergeburt geht. Selbst in Gesprächen an anderer Stelle, in denen es vordergründig gar nicht um Yoga oder Philosophie geht, enden wir wieder (scheinbar zwangsläufig), bei diesem Thema. Warum wir uns so schwer tun mit dem Glauben daran, obwohl Reinkarnation doch in fast allen Traditionen ein fester Bestandteil ist, liegt mit Sicherheit nicht zuletzt daran, dass sie in unser Religion, dem Christentum, nicht existiert. Auch wenn sich die meisten von uns, heute als Atheisten bezeichnen, sind wir doch weit über unsere Eltern und Großeltern hinaus geprägt. Die Kirche gehört zu unserer Kultur, ob wir an ihren Gott glauben oder nicht.
Im Jahre 553 n. Chr. wurde die Wiedergeburt von 165 Kirchenleuten verdammt. Davor war sie ein Fundament der christlichen Lehre… s. Artikel

Eine Schülerin von mir und angehenden Yogalehrerin, hat uns am vergangenen Seminarwochenende eine interessante und wunderbare Geschichte mitgebracht. Ich habe sie gebeten, sie mir zu überlassen, damit ich sie hier, teilen kann. Und wenn Du (auch nur) Geschichten magst, wie ich, wird sie Dir mit Sicherheit gefallen… Herzlichst, Constanze ღ

Diana Petersen, Selbstmordopfer, 36 Jahre alt, erschien vor einer Reihe von Engeln. Diese waren zuständig für die Führung der Akten.

Als sie so vor ihnen stand, bat man sie höflich sich zu setzen.

Der Hauptengel sagte: „Meine Liebe, wir müssen für die Akten ein paar wichtige Dinge wissen. Als erstes: Warum wähltest du, dein Leben früher als geplant zu beenden? Und zweitens: möchten wir dich bitten, den Vertrag für dein nächstes Leben vorzubereiten und zu entscheiden, wohin du als nächstes gehen möchtest!“

Diana saß da und fühlte sich irgendwie unreal. „Ich dachte, dass ich in den Himmel komme, wenn ich sterbe“ sagte sie.

„Oh nein“ antwortete der Engel „das ist wirklich nur ein Mythos. Es gibt so viele Dinge, die du lernen musst; wie kannst du annehmen, dass du all dies in nur einem Leben schaffen könntest? Nein wir geben dir eine ganze Reihe von Chancen, die Dinge zu lernen, die du begreifen willst. Wir haben dich hierher kommen lassen, damit du wählen kannst, wann du gehen und in welche Nebenumstände du kommen willst!“

Diana schnappte nach Luft, dies war etwas völlig anderes, als alles was man sie jemals gelehrt hatte.

„Also äh – ich denke, dann erzähle ich euch besser woher ich komme. Ihr müsst wissen, ich wuchs bei sehr lieblosen Eltern auf. Sie kümmerten sich nicht wirklich um mich oder sprachen mit mir. Normalerweise waren sie mit ihrem eigenem Leben und ihren Freunden beschäftigt. Ich habe nicht wirklich von ihnen unterstützt gefühlt. Sie haben mich nie an sich gedrückt. In der Tat habe ich sie nie in meiner Gegenwart umarmen oder küssen gesehen. Ich nehme an, dies ist der Grund, warum ich mir selbst gegenüber so kalt und distanziert bin. Außerdem war mein Berufsleben so ausweglos. Ich wusste einfach nicht, was ich werden sollte und versuchte mich in verschiedenen Jobs. Ich schien zwar genug Fähigkeiten für eine bestimmte Tätigkeit zu haben, aber die wurden nicht sehr gut bezahlt. Das Geld war immer knapp und ich musste noch zwei Kinder unterstützen. Mein Traumberuf war immer der, einer Schauspielerin. Ich hatte auch nicht viele Freunde, nur einen oder zwei. Oft sind sie einfach gegangen, und das war es. Und ich sehe ein wenig sonderbar aus. Manche Leute sagen, ich sei hübsch, aber ich glaube es reicht nicht, um mit den meisten Menschen mitzuhalten. Wisst ihr, ich bin nicht wie die gewöhnlichen Menschen, da ich eine Menge unglaublicher Ideen habe und meine Handlungsweisen nicht wirklich normal sind. Ich mag es, mit mir allein zu sein und nachzudenken. Ich mag es, zu spielen. Ihr seht also, ich passe da nicht wirklich hin. Dazu kommt, dass ich oft krank war. Ich verfügte nicht über allzu viel Energie, war immer müde und musste viel Zeit im Bett verbringen. Es gab Momente, in denen ich sehr gereizt auf meine Kinder reagierte; sie kamen immer in mein Zimmer und unterbrachen mich, wenn ich beim Nachdenken war. Ich glaube, ich war keine gute Mutter, denn ich hatte keinen Spaß daran, Zeit mit meinen Kindern zu verbringen. Oft wusste ich nicht einmal, wo sie gerade waren. Ich denke auch nicht wirklich, dass sie sich aus mir etwas machten. Ich bin es auch müde, die unwichtige Kleinigkeit zu sein. Von der die Leute alles haben können, was sie wollen. Ich hatte immer Angst davor, nein zu sagen und fühlte mich dann, als ob ich ein schlechter Mensch sei. So bin ich all dessen müde geworden. Ich dachte; ich will hier nicht mehr leben. Ich gebe es einfach auf, geh in den Himmel und vielleicht kann ich mich dort ausruhen. Doch das scheint nicht wahr zu sein. Nachdem, was ihr mir gesagt habt, muss ich wieder dort hingehen.“

Diana machte eine Atempause. Einer der Engel sagte laut:

„Ja, es trifft zu, dass du zurückgehen musst, doch bevor du gehst, kannst du wählen, was immer du für dich und dein nächstes Leben willst. Da wir nun wissen, warum du dich umgebracht hast und hier bist, möchtest du vielleicht einen neuen Vertrag mit uns machen?“

„Du liebe Zeit, ich glaube, darüber habe ich noch nie nachgedacht…

Ich kannte eine Menge Spanier, die aus großen, einander liebenden Familien kamen. Sie wirkten immer so vergnügt und großzügig. Ich glaube, wenn ich schon zurückgehen muss, dann würde ich gerne in einer spanischen Familie leben, vielleicht in Kalifornien. Manchmal habe ich auch schwarze Familien gesehen, die so liebevoll und süß wirkten. Das einzige Problem ist, dass ich nicht unter Vorurteilen leiden möchte, wenn ich mich für eine solche Familie entscheide. In Ordnung, lasst mich mal sehen, ich möchte nicht allzu hart arbeiten müssen. Entweder möchte ich einen reichen Mann heiraten oder gewandt genug sein, um selbst eine Menge Geld zu verdienen. Ich möchte an den Punkt kommen, wo ich nicht mehr arbeiten muss, wenn ich es nicht will und meinen Beruf wirklich nicht lieben kann.

Ich bin es so müde, immer in einer Sackgasse zu sitzen. Ich möchte kreativ sein und das Gefühl haben, durch meinen Beruf etwas zur Welt beitragen zu können. Ich wäre gerne eine nette Persönlichkeit mit vielen Freunden, die von allen gemocht wird. Trotzdem hätte ich gern Zeit für mich, wenn ich das will; und ich möchte hübsch sein und eine gute Figur haben.

Man sollte mich mögen, aber nicht nur wegen meines Aussehens. Ich möchte ebenso von schönem Innerem, wie von Äußeren sein, so dass jeder von mir sagt; sie ist eine wundervolle Person. Ich glaube, das würde mir sehr gefallen. Ich hätte auch gern eine gute, robuste Gesundheit und möchte mehr mit Leuten zusammen sein. Oh, da fällt mir noch was ein, ich würde gern die Menschen lieben. Es scheint mir jetzt, als wenn ich mich nie um andere gekümmert hätte, und ich möchte wirklich für andere da sein. Das Nächste ist, dass ich entweder eine liebevolle Mutter sein, oder für eine Zeitlang gar keine Kinder haben möchte. Vielleicht wäre das eine gute Idee, bis ich gelernt habe, eine bessere Mutter zu werden. Wenn ich all diese Dinge tue, für die ich mich entschieden habe, werde ich wohl auch nicht genug Zeit für Kinder haben. Als letztes möchte ich mich behaupten können. Ich möchte tun, was ich will, ohne dass jemand etwas dagegen hat oder mich dafür verurteilt. Ich möchte frei sein, zu kommen und zu gehen, wann ich will!“

„Gut, Diana, dass klingt nach einem recht eindrucksvollem Vertrag“ sagte der Engel. „Ich denke, wir können all das für dich arrangieren. Ich habe nur noch eine Frage zu Vertrag, was möchtest du in deinem nächsten Leben vollenden?“

„Oh“ antwortete Diana „Meinst du damit, dass ich selbst entscheiden muss, was ich vollenden will?“

„Natürlich“ sagte der Engel „das ist es, worum es hier geht“

„Also gut, lasst mich überlegen, die einzige Sache die mir einfällt, ist es zu verstehen, worum es bei der Liebe eigentlich geht? Ich denke, dass würde ich gern zum Abschluss bringen. Nein, eigentlich möchte ich lieber meine Selbstliebe vervollkommnen und lernen, wie ich mir eigenständig genug Freude, Geld und Sicherheit geben kann, so dass ich nicht mehr den Wunsch haben muss, zu sterben“

„Das klingt hervorragend“ meinte der andere Engel. „Ich denke, wir haben nun einen guten Vertrag. In Ordnung, hier ist eine Kopie für dich; die andere geben wir zu den Akten“

„Wisst ihr was“ sagte Diana „einen Moment dachte ich, ich käme in die Hölle, weil ich mich selbst umgebracht habe. Jetzt erzählt ihr mir, dass ich nicht in den Himmel komme. Heißt das, ich muss doch in die Hölle?“

„Du meine Güte“ antwortete der Engel „Wo hast du nur diese Geschichte gehört? Es gibt keinen Ort, der dich bestraft. Wir glauben nicht an Bestrafung und ebenso wenig an Belohnung. Wir glauben nur an die Liebe. Darüber hinaus wissen wir, dass der Himmel und die Hölle in die drin ist. Wenn du dein Leben auf eine bestimmte Art denkst, fühlt es sich an wie im Himmel, doch wenn du dein Leben auf eine andere Art betrachtest, bin ich sicher, dass es wie die Hölle ist.“

„Das ist wahr“ sagte Diana „Ich habe nie auf diese Weise darüber nachgedacht. Um festzustellen, ob man im Himmel oder in der Hölle ist, muss man sich bewusst machen, wie man die Dinge sieht. Nur ich selbst kann mich bestrafen oder belohnen.“

„Ach ja, vielleicht möchtest du etwas über deinen letzten Vertrag erfahren? Du könntest es sehr interessant finden.“ meinte ein anderer Engel

„Ich hätte nicht gedacht, dass es da noch einen alten Vertrag gibt“

„Ja, wir würden die gerne etwas über deinen Vertrag erzählen, den du abgeschlossen hast, bevor du in das Leben von Diana Peterson gingst. Zuvor starbst du 1926 in Indien. Du hattest elf Kinder und es gab viel harte Arbeit. Du hattest eine sehr große, um dich geschlossene Familie, viele Verwandte und immer genug zu essen. Du warst eine volle, robuste und energiegeladene Frau. Du batest darum, in deinem nächsten Leben Eltern zu bekommen, die dir die Möglichkeit geben sollten, dich als geschickte Persönlichkeit zu erfahren, die dir Freiheit lassen, ohne dir immer über die Schultern zu sehen. Außerdem wolltest du einen Männerberuf haben. Du wolltest Zeit zum träumen, nachdenken und kreativ sein. Du wünschtest wenige Menschen um dich herum, damit du Raum zum atmen hast, nur ein paar Freunde und eine kleine Familie. Du wolltest groß und dünn sein, um nicht laufend zu hören, was für eine schöne Frau, was für eine gute Mutter oder nette Person du seiest. Du wolltest einzigartig sein und herausragend, um vielleicht wie die Frauen in Filmen andersartige Dinge zu tun. Du sagtest auch, dass du mit all den Kindern, vom kochen und sauber halten des Haushaltes so hart zu arbeiten hattest, wolltest du dieses Mal nicht so viel Arbeit haben und schlugst vor, vielleicht ein wenig krank sein zu können, so wie eine Kameliendame. Du wolltest allein sein können und wünschest dir wenige oder gar keine Kinder, um auszuruhen. Wenn du überhaupt Kinder wolltest, sollten sie unabhängig sein. Auch wünschest du dir etwas Damenhafter und ruhiger zu werden, weil du zuvor eine recht lautstarke Persönlichkeit hattest. Dies waren die Punkte deines letzten Vertrages.“

Diana war entsetzt. Zwei kleine Tränen liefen über ihre Wangen.

„Mir scheint, ich habe bekommen was ich wollte, Eltern, die mir Freiraum gaben, nicht so harte Arbeit. Ich war recht kreativ und habe sogar manchmal in Schauspielstücken mitgewirkt. Ich bin so verwirrt, ich habe mich umgebracht, weil ich bekam was, ich wollte!“

Sie legte die Hände vors Gesicht.

„Nein, nein“ sagte der jüngste Engel freundlich „Es war die Art, wie du über dich in deinem Leben dachtest, nämlich als unglückliche Versagerin, die dich den Tod wählen ließ. Du kannst alle von dir gewünschten Veränderungen haben“ meinte der Engel und klopfte Diana auf die Schulter

„Du bist nicht auf ewig verdammt. Du kannst solange immer wieder zurückgehen, bis du gelernt hast, dass nicht das zählt, was du hast, sondern was du bist. Wenn du dich selbst und andere wirklich lieben kannst, dann bist du im Himmel.“

Plötzlich wurde es schwarz. Das nächste was Diana hörte, war die Stimme des Arztes: „Es ist ein wunderschönes kleines Mädchen, Mrs. Sánchez.“

Der Arzt war überrascht, weil das Mädchen nicht weinte…

(Textquelle unbekannt)
Danke, liebe Claudia Braun, für Deine Großzügigkeit ♥ und diese Geschichte.
photo © pixabay

 

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