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Inspiration

Die Macht der Herzen

Um seiner Vision gerecht zu werden, benötigte Jesus immer wieder Zeiten des Rückzugs, in denen er ganz allein war und seinen Geist ordnete. Johannes der Täufer war soeben enthauptet worden und Jesus suchte einen Ort in der Wüste auf, um mit sich ins Reine zu kommen. Die Tradition empfahl 40 Tage der Besinnung. Da Jesus immer wieder mehr oder weniger offen dazu aufgefordert wurde, sich als Messias, als Weltenretter, zu offenbaren, nutzte er die Askese in der Wüste, um Klarheit in dieser Angelegenheit zu erringen.

Die ersten Tage war das Fasten besonders hart, der Hunger tat richtig weh und der Gedanke an etwas Essbares tauchte immer wieder von neuem in seinem Geist auf. Jesus betrachtete die Steine, die vor ihm herumlagen, und ertappte sich bei dem Gedanken, wie es wohl wäre, wenn er die Kraft hätte, Steine in Brot zu verwandeln. Er dachte über den Hunger nach und darüber, um wie viel schmerzhafter ein Hunger sein musste, den man nicht freiwillig als Askeseübung erduldete, sondern aus Not. Wie zum Beispiel ein kleines Kind, dem die Erwachsenen von dem wenigen Essen nicht genug abgaben. Ode ein Gefangener, der auf die Gnade seiner Wärter angewiesen war. Oder ein Kranker, der nicht selbst für sein Brot sorgen konnte.

„Ich kenne die Gesetze des Geistes. Mit der entsprechenden Anstrengung, kann es mir gelingen, die Kraft zu entwickeln, aus Steinen Brot zu machen. Ich könnte unzählig vielen hungrigen Menschen damit helfen.“ Der Gedanke war verführerisch und konnte noch weiter gesponnen werden: „Ein solches Wunder würde auch bewirken, dass sich das ganze Volk hinter mich stellt und mich zu seinem König macht. Wenn ich die Kräfte, die Geist in Materie verwandelt, noch mehr steigere, könnte ich schließlich der König der ganzen Welt werden und alle Hungrigen speisen. Selbst wenn mich meine Feinde töten wollten, indem sie mich vom Turm des Tempels herabstießen, würde mir doch nichts geschehen, denn ich würde meinem Körper kraft meines Geistes ganz leicht machen, und es würde aussehen, als würden die Engel mich tragen. Meine Kräfte sind jetzt schon außergewöhnlich, in wenigen Jahren kann ich durch große Disziplin solche Fähigkeiten entwickeln. Wäre damit den Menschen nicht viel mehr gedient, als wenn ich wie bisher nur herumwanderte und predigte?“

Diese Gedanken waren so verlockend, klangen logisch und drängten sich immer wieder in sein Bewusstsein. Visionen davon, was er, Jesus, als König der Welt alles vollbringen könnte, tauchten auf und zeigten eine Welt, in der er, Jesus, eine Ordnung und Gesetze festlegte, die für alle gut wären. Doch das Fasten und die Meditation auf die tiefste Einsicht brachten Jesus schließlich dazu, all das als Täuschung zu durchschauen  und darauf zu verzichten. Ihm wurde klar, dass selbst die besten Absichten durch die Ausübung von Macht über andere früher oder später verkümmern würden. Es sah ganz deutlich, dass es nur einen Weg gab, die Menschen von Hunger, von Machtmissbrauch durch die Römer oder von was auch immer zu befreien: indem er sie lehrte, wie sie sich selbst befreien konnten. Wie sie selbst ihre Gewohnheiten ändern, selbst die Gesetze des Universums anwenden, selbst auf die Schwachen und Hungrigen achten und selbst die allzu Mächtigen in ihre Schranken weisen konnten. Dann würden sie weder ihn noch sonst irgendeinen König brauchen. Dann wären alle selbst wahrhafte Könige und Königinnen. Und diese Kraft könnte den Menschen niemand mehr nehmen. Das war das höchste Ziel. Und auch wenn es Jahrtausende dauern würde, bis es erreicht war, so gab es doch keine Abkürzung. „Ja, ich werde ihr König sein, aber nicht als Person, nicht ich als Jesus, der in Jerusalem einzieht. Sondern es wird dieser Geist sein, der Geist der vollständigen Befreiung, der in ihre Herzen einzieht!“

So wies Jesus alle „Übermensch“-Ansprüche, die sowohl von außen als auch von seinem eigenen Inneren an ihn gestellt wurden, weit von sich und kehrte als Rabbi in die Gemeinschaft zurück. (Matthäus 4, 1-11)

 

© Monika Herz
in „Geschichten, die heilen“

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