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Inspiration

Ein Handwerk ist …

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… wertvoller als Gold

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Teil I der Geschichte

Es war einmal vor langer, langer Zeit, …

… da lebte ein junger König, der im ganzen Land für seine Gerechtigkeit, für seine harte Arbeit zum Wohle des Volkes und seine Güte bekannt war.

Obwohl der König seine Pflicht als erster Diener seiner Untertanen sehr ernst nahm, machte er sich doch manchmal Gedanken darüber, was sie wohl insgeheim von ihm hielten. Besonders wichtig war es ihm, in Erfahrung zu bringen, was sein Volk darüber dachte, wie gut er seine Pflichten als König erfüllte.

Unbestreitbar sind die meisten Menschen in Machtpositionen ausschließlich an den wohlwollenden Gedanken des Volkes interessiert. Nicht so dieser König. Er wollte wissen, was sein Volk wirklich denkt, im Guten wie im Schlechten, um seine eigenen Fehler erkennen und abstellen zu können – eben ein König, wie er sonst nur im Märchen vorkommt.

Zweimal im Jahr kleidete er sich in die Gewänder eines Ärmsten der Armen. Dann machte er sich in ein entlegenes Dorf auf, verbrachte dort einige Tage und lauschte, was die Menschen über ihn zu sagen hatten. Da niemand erriet, dass er der König war, beantworteten sie seine Fragen ohne Zögern und frisch von der Leber weg.

Eines Tages weilte er gerade in Lumpen gehüllt in einem Dorf. Sein Blick fiel auf eine junge Frau, die sein Herz augenblicklich durch Schönheit, bezauberndes Wesen und Bescheidenheit gefangen nahm. Bei seinem Äußeren konnte er es nicht wagen, sie anzusprechen, doch sobald er in die Hauptstadt zurückgekehrt war, rief er den Wesir zu sich und sagte:

„Mach dich auf in das Dorf und suche den Vater dieser Frau auf. Sag ihm, ich bitte ihn um die Hand seiner Tochter. Denn ich habe sie gesehen und halte sie für eine Frau mit außergewöhnlichen Eigenschaften.“

 Der Wesir machte sich auf die Reise, und als er den Vater gefunden hatte, überbrachte er ihm die Botschaft des Königs. Der Vater sprach mit der Mutter, die Mutter sprach mit der Tochter, und dann beriet man gemeinsam.

Schließlich wandte sich die Tochter an den Wesir und fragte: „Welches Handwerk übt der König aus?“ „Was meinst du damit, welches Handwerk?“ sagte der Wesir.

„Was kann er mit seinen Händen so gut, dass er sich damit allezeit sein Brot verdienen könnte?“

Die Mutter warf ein: „Aber was redest du da, mein Kind? Des Königs Handwerk ist die Herrschaft über unser Land. Was braucht er da noch irgendeine andere Fertigkeit?“

Das Mädchen aber blieb standhaft und antwortete: „Der Mann, den ich einmal heirate, muss ein Handwerk beherrschen. Heute ist er noch König, aber was ist, wenn er es in fünf Jahren nicht mehr ist? Was haben wir dann zu essen? In meinen Augen ist ein Handwerk mehr wert als Gold. Ein Mensch besitzt nur, was bei einem Schiffbruch übrigbleibt.“

Die Eltern wollten sie zuerst davon überzeugen, dass eine solche Chance niemals wiederkommen würde. Aber sie hatten schon früher versucht, mit ihr zu diskutieren, und wussten, dass es keinen Zweck haben würde. Schließlich sagte der Vater zum Wesir: „Sie sehen, es gibt nichts, was wir noch tun können.“

Der Wesir kehrte in die Hauptstadt zurück und erzählte dem König von allem, was besprochen worden war. Anfangs wurmte es den König und er wollte das Mädchen schon vergessen. Aber die Erinnerung ließ ihn nicht los, und schließlich dachte er bei sich, wenn sie sich selbst so treu bleibt und so genau weiß, was sie will, dann muss sie wahrhaft würdig sein, seine Frau zu werden. Er würde ein Handwerk erlernen – nicht nur gründlich genug, um sich den Lebensunterhalt zu verdienen: Er wollte darin der Beste im ganzen Land werden!

Das Handwerk, das er für sich aussuchte, war das Teppichweben.

Er ging zum besten Teppichweber im ganzen Land und holte ihn an seinen Hof. Er lernte, die Wolle zu spinnen und das Garn mit Wurzeln und Blättern und sogar mit Insekten zu färben, um die dauerhaftesten und leuchtendsten Farben herzustellen. Er lernte auch, wie man einen Webstuhl baut, und studierte die alten Teppichmuster, die über viele Generationen vom Vater zum Sohn, von Mutter zur Tochter weitergereicht worden waren –  nicht nur aus dem eigenen Land, sondern aus allen Ländern des Ostens, in denen man Teppiche webte.

Schließlich entwarf er seinen ersten eigenen Teppich und machte sich an die Arbeit. Als er fertig war, warf der Teppich am Boden Falten. Also webte er einen zweiten. Als er mit diesem zu Ende kam, sah er, dass die Farben nicht miteinander harmonierten. Da fertigte er einen dritten; und als der schließlich fertig war, war jeder, der ihn zu Gesicht bekam, überzeugt, dass er nicht nur schön, sondern wirklich sehr schön sei.

Er sandte den Teppich dem Mädchen als Geschenk, zusammen mit der Botschaft, dass er ein Handwerk gelernt habe und nun noch einmal um ihre Hand anhalte. Das Mädchen sah den Teppich und war so erfreut, dass sie einverstanden war, den König zu heiraten. Die Hochzeit fand in der Hauptstadt statt, und die Festlichkeiten währten sieben Tage und sieben Nächte. Und fortan führten König und Königin ein glückliches und harmonisches Eheleben.

Und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende…

Oder?

Wie es weiter geht?

Geduld!

Das erfährst Du schon bald…

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Teil II >>>

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(Der Verfasser ist mir leider unbekannt.)

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