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Inspiration

Ich räche mich nicht an dir

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Nun aber bleiben, Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei,

aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

1. Kor. 13,13 und Johannes Brahms; Vier ernste Gesänge

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Die Heilung des Schattens

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Antje,

als kleines Mädchen besuchtest Du eine Dorfschule, vier Klassen in einem Raum. Du warst in der zweiten Klasse,  sieben Jahre alt und hattest wohl mit deiner Nachbarin geschwatzt. Das wurde mit Stockschlägen auf die Hand geahndet.  Du musstest deine Hand ausgestreckt hinhalten und als der Lehrer zuschlug zogst Du ängstlich die Hand blitzschnell zur Seite, so dass der Schlag danebenging. Das ganze wiederholte sich, du zogst  die Hand blitzschnell zur Seite und der Schlag ging wieder ins Leere. Da packte dich der Lehrer, legte dich über sein Knie und schlug mit dem Stock auf dich ein. Du warst außer Dir vor Zorn, Du fühltest dich ohnmächtig und gedemütigt und Tränen standen in deinen Augen, aber du weintest nicht. Du weintest nicht, um dir einen Rest von Würde zu bewahren. Du wolltest dich rächen für das Unrecht dass er Dir getan hatte.  Er hätte das verdient, wenn Du ihm auch wehtätest.

Als Erwachsene hast Du einen Weg aus der Gewaltspirale gefunden, einen Weg, den Du an deine Patienten weitergibst und der ihnen hilft mit  geschehenem Unrecht leben zu lernen.

Der Weg:

Du hast dich gefragt was in dem Lehrer vorging als er dich schlug, und du begannst im Geiste einen inneren Dialog mit ihm zu führen.

Lehrer: “Ich bin ein  guter Mensch, der die Regeln kennt und Du bist ein weniger guter Mensch, ein ungezogenes kleines Mädchen, dem ich die Regeln einbläuen muss, damit aus dir  auch einmal ein guter, wertvoller Mensch wird. Du hast das verdient, dass ich dich schlage. Ich bin im Recht!“

Kleine Antje: „Ich bin ein guter, wertvoller  Mensch, Du bist ein schlechter Mensch, das war Unrecht dass du mich gehauen hast,  Du hättest sagen können, wenn du noch einmal schwatzt gehst Du vor die Tür, aber du hättest mich nicht hauen dürfen. Du hättest es verdient gehabt, dass ich mich an dir räche und dich meinerseits schlage. Ich bin im Recht!“

Du erkanntest, dass wir uns beide für gute Menschen hielten, während doch tatsächlich  ein erwachsener Mann ein kleines, wehrloses Mädchen misshandelt hatte und wenn Du dich rächen würdest, Du  einen mittlerweile  alten, wehrlosen Mann misshandeln würdest.

Du fragtest dich wie ein Unrecht das Dir getan wurde, zu Recht werden kann, wenn Du es selbst begehst? Und wieso wir  beide glauben im Recht zu sein, während wir doch objektiv Unrecht tun?

Die Antwort. Wir kennen unseren Schatten nicht. Wie wissen nicht was wir tun.

Rache macht das Unrecht nicht ungeschehen, es fügt dem Unrecht nur ein weiteres Unrecht hinzu. Es führt in die Apokalypse.

Heilung

Du erkanntest dass Du von Geburt an ein  genauso wertvoller Mensch bist wie der Lehrer, und dass du es deshalb verdient gehabt hättest anständig behandelt zu werden und dass der Lehrer,  weil er ein genauso wertvoller Mensch ist wie Du, auch von dir anständig  zu behandeln ist und dass Du dich deshalb nicht an ihm rächen darfst. Wenn der Lehrer gewusst hätte was du weißt, hätte er dich niemals schlagen können. Weil du es weißt  hast Du symbolisch den Stock, die Waffe niedergelegt und dir gesagt, dass du es nicht tun wirst, du wirst dich nicht rächen, du legst die Waffe nieder.

Du weißt aber, dass er dir Unrecht getan hat und dass er deshalb eine Schuld gegen dich hat. Du könntest ihn mit der Schuld leben lassen, du könntest ihm aber auch vergeben, wenn Vergebung in deinem Herzen ist und wenn er Vergebung wünscht, denn die Schuld gehört ja ihm, du kannst sie ihm nicht gegen seinen Willen wegnehmen. An einer getragenen Schuld kann man auch wachsen. Wir Deutsche wissen das. Vergebung ist eine Gnade, sie ist keine Pflicht. Du schuldest dem Täter nichts. Ein Anrecht auf Vergebung besteht nicht.

Du hast in einem geistigen Dialog deinen Lehrer gefragt, was er dazu sagt?

Er bat dich um Vergebung.

Du hast Deinem Lehrer vergeben – er ist ein genauso wertvoller Mensch wie Du.
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Danke liebe Anna, für Dein „Heilungsritual“. Ich freue mich sehr, es hier auf meinem Blog mit allen Lesern teilen zu dürfen.

 

© Antje Dawedeit    Diplom-Psychologin    Psychotherapeutin HPG

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