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Inspiration

Liebeskummer

Dialog zwischen Herz und Verstand sowie den üblichen Verdächtigen

Nachtgespräch unter guten alten Bekannten

„Du musst loslassen!“, sagte der Verstand

„Aber …“, erwidert das Herz.

„Sei keine Pfeife und lass los!“, mischte sich der Mut ein.

„Besser nicht.“, wisperte die Angst.

„Wer weiß wozu es noch gut sein wird!“, gab die Berechnung zu bedenken.

„RUHE!“, verlangte das Alter Ego.

~~~

„Aber …“, flüsterte das Herz.

Der Mut kicherte.

„Aber es war ja nicht immer schlecht.“, sprach leis’ das Herz weiter.

„Eben!“, sagte die Berechnung und fügte nochmals hinzu: „Wer weiß wozu es noch gut sein wird!“

„Ach sei doch ruhig.“, mokierte der Verstand.

„RUHE!“, verlangte das Alter Ego.

~~~

Die Sorge wurde vom Lärm geweckt: „Könnt Ihr Euch denn nie einig sein? Es wird noch ein schlimmes Ende nehmen!“

Die Angst nickte zustimmend.

Die Berechnung indes zog es vor, erstmal abzuwarten.

„Was kann ich denn dafür, wenn das Herz diesen Typen einfach nicht loslassen will?“, motzte der Verstand.

Das Herz erwidert traurig: „Ja, Du konntest ihn nicht wirklich leiden. Jeden kleinen Fehler hast Du akribisch notiert und mich in so manchen Momenten ganz närrisch gemacht mit Deinen Bedenken.“

Der Zweifel, bisher nur stummer Zuhörer, schnippte aufgeregt mit den Fingern: „Das war ich, das war ich!“

„RUHE!“, verlangte das Alter Ego.

~~~

„Ja, vielleicht sollte wir wirklich besser schlafen.“, sprach zart das innere Kind.

„Jetzt langt es mir aber!“, wetterte der Zorn: „Jahrelang habe ich mir das Theater angeschaut. Dieses ewige hin und her. Ich habe genug! Sag Herz, wie oft hat er Dich belogen, verletzt und mit Missachtung gestraft?“

Das Herz weinte. „Es gab auch gute Zeiten. Er meint es doch nicht so. Wie oft hat es ihm leid getan?“

Der Verstand bricht in schallendes Gelächter aus.

„Was wisst Ihr denn schon? Ihr habt ihn ja nie geliebt!“, presste das Herz unter dicken Kullertränen hervor.

„Na, na wer wird denn gleich so weinen?“, beruhigte der Trost.

„RUHE!“, verlangte das Alter Ego.

~~~

„Ach sei doch selbst ruhig!“, trotzte der Verstand: „An Schlaf ist jetzt eh nicht zu denken.“

Der Mut, es liegt wohl in seiner Natur, wagte einen Vorstoß: „Jetzt hör mal zu Herz. Es ist vorbei. Du musst nach vorne schauen und Dich von Deinen Ketten befreien. Mal ehrlich, er war zwar nicht immer schlecht, aber er war auch nur selten wirklich gut. So oft haben sich Deine Wände zusammengezogen und es wurde ganz still um Dich herum. Hast Du all die Nächte vergessen in denen Du geweint hast?“

„Schnief, ich erinnere mich nur zu gut …“, mischte sich der Kummer ein.

Das Herz schluckte tapfer seine Tränen herunter: „Vielleicht hast Du recht, aber in mir wohnt die Liebe und sie ist so traurig. Ich möchte ihr so gerne helfen. Was soll denn bloß aus ihr werden, wenn ich jetzt loslasse?“

„Hat mich wer gerufen?“, sprach die Hoffnung.

„Ach, ich dachte Du wärst fort?“, merkte der Zweifel an.

Die Hoffnung lachte und erwidert geduldig: „Ich und fort? Ich bin niemals wirklich fort. Euch kann man doch keine Sekunde alleine lassen.“ Sie blickte auf das Herz: „Was wäre denn, wenn jemand anderes käme? Jemand der viel liebevoller zu Dir ist? Irgendwo da draußen gibt es jemanden, der Dich reparieren kann und Deine Liebe nährt.“

„Bla, Bla, Bla …“, stänkerte das Alter Ego.

~~~

„Du meinst das könnte wirklich geschehen? Das wäre ja wunderbar.“, hoffte das Herz.

„Aber sicher!“, trötete die Überzeugung.

„Ich bin dafür, dass wir es wagen.“, triumphierte der Mut.

„Ach es wäre wirklich schön, dann könnte ich mich endlich einmal ausruhen.“, jammerte der Kummer.

„Ja, wir könnten ja gemeinsam in den Urlaub fahren?“, stimmte die Sorge ein.

Eine prickelnde Vorfreude erfüllte den Raum.

„Ich fürchte mich aber so. Was ist, wenn wieder alles schief läuft.“

„Das war ja klar, dass die Angst sich wieder einmischen muss!“, schimpfte der Verstand.

„Boah, gehen die mir auf die Nerven.“, maulte das Alter Ego.

~~~

Das Herz grübelte.

Die Sorge zog sich zurück.

Der Mut frohlockte.

Die Angst machte sich ganz klein.

Die Berechnung wusste, sie ist raus aus der Nummer.

Der Kummer packte seinen Urlaubskoffer:

Das innere Kind war voller Vorfreude.

Die Hoffnung lächelte.

Dem Zorn ging die Puste aus.

Der Verstand war ganz zufrieden.

Das Alter Ego verstand die Welt nicht mehr.

~~~

„Und Du meinst wirklich das geht?“, fragte das Herz die Hoffnung.

„Natürlich meine Liebe!“, lachte die Hoffnung.

„Sag ich doch.“, triumphierte der Verstand.

„Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“, betonte der Mut.

„Es wird besser werden, beim nächsten Mal wird es einfach viel besser werden. Ich verspreche es Dir.“, sprach der Verstand.

„Es gibt gar keinen anderen Weg!“, hallte es aus einer dunklen Ecke.

Alle drehten sich um und waren sehr erstaunt, als sie sahen, dass die Vernunft es war, welche diese Worte sprach.

„Auch das noch …“, jammerte das Alter Ego

„Seien wir doch einmal realistisch. Der Typ ist weg. Ob das gut oder schlecht ist spielt keine Rolle. Er ist weg! Weg! Weg! Weg! Also, entweder macht das Herz jetzt weiter wie bisher und wird seinen Lebens nicht mehr froh oder es lässt endlich los und öffnet sich für das Leben und die Liebe. Ich bin ganz klar für das ‚oder‘, schon alleine, weil ich das Gejammer nicht mehr hören kann. Du wirst niemals glücklich werden, wenn Du jetzt nicht loslässt. Ist doch eigentlich ganz einfach zu verstehen. Festhalten und es wird wehtun bis der Kummer bei Dir Wurzeln schlägt oder LOSLASSEN und einen neuen Raum für eine neue Liebe schaffen.“, philosophiert die Vernunft.

Der Mut zwinkert dem Herzen zu.

Das Herz beginnt andächtig zu nicken: „Du hast recht. Ich habe nur diese Chance. Na dann …“

Es pumpt und pumpt bis es dicker und dicker wird und endlich seine Ketten von sich sprengt und den Schmerz loslässt.

 

Alexa Szeli

Mit einem herzlichen Dank an Dich, liebe Constance E.. So findet der Text nur hier, in meiner Geschichtensammlung, einen Platz. ღ

photo © pixabay

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