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Leben

Noah

Früher liebte ich Kriminalromane. Vor allem, in meiner Studienzeit zum Heilpraktiker, waren Bücher, in denen es um Forensik ging, ein echtes Highlight für mich. Je mehr ich aber Yoga praktizierte und unterrichtete, lies mein Interesse an den Abgründen des Menschseins nach. Ich konnte soviel Grauen einfach nicht mehr ertragen. Möglicherweise lag es auch am Älterwerden, vielleicht ist es eine Mischung verschiedener Gründe. Alles hat einfach seine Zeit. Schau ich heute auf das Angebot des Fernsehens, so ist das Groh davon: Krimis – in Spielfilm und Serie, sogar an Sonn- und Feiertagen. Was sagt das wohl über unsere Zeit?

Ein Autor von Thriller und Kriminalromane allerdings bleibt nach wie vor mein Favorit: Sebastian Fitzek.

Bei jedem seiner Bücher fiel es mir schwer, es zur Seite zu legen, oft habe ich sie innerhalb kürzester Zeit durch. Die Art und Weise, wie er seine Geschichten erzählt, baut eine atemberaubende Spannung auf. Dank seines Interesses an Themen, die nicht „Mainstream“ sind, von ihm aber akribisch recherchiert, erhält der aufmerksame Leser/ Hörer „Randinformationen“, die weit über den Gegenstand seiner Erzählungen hinaus gehen. Das macht jedes seiner Bücher einzigartig und eben „typisch Fitzek“. Wer Fitzek hört, bekommt den doppelten Genuss. Simon Jäger, deutsche Synchronstimme u.a. von Matt Damon, Jet Li, lässt alle Romane, die er liest, durch seine grandiose sprachliche Gestaltung und wandlungsfähige Stimme zu einem Erlebnis für die Sinne werden.

Fitzek selbst schafft den Bogen zwischen Übersinn und Wahrheit. Und das hat mich vom ersten Buch an so ungemein an ihm fasziniert. Glaubt man, wie zum Beispiel im Buch „Das Kind“, dass der Autor einem Mysterium Raum gibt, findet man sich spätestens am Ende des Buches in der blanken Realität wieder. Aber – die Tür, die er zu einer anderen Welt geöffnet hat, bleibt weiterhin offen und im Gedächtnis.

Meine heutige (Hör-) Buchempfehlung ist sein Roman „Noah“. Nach dem Buch „Genesis“ (Bibel) ist Noah der zehnte Urvater nach Adam. Er wurde wegen seiner Glaubenstreue von Gott auserwählt, durch den Bau der Arche mit seiner Familie die Sinnflut zu überleben.*

Im Roman von Sebastian Fitzek geht es um einen Mann, der im U-Bahn-Tunnel Berlins lebt und nur aufgrund der Tätowierung auf seiner Hand diesen Namen trägt. Ein Obdachloser fand ihn angeschossen und ohne eine Spur von Erinnerung, und nimmt sich seiner an. Parallel dazu geht der Fokus immer wieder in die Elendsviertel von Manila, der Hauptstadt der Philippinen. Erzählt wird die Geschichte einer dort lebenden, ums tägliche Überleben kämpfenden, Familie.

Beim Hören des Buches, von dem es heißt: „Fitzek hat sich der Realität gestellt“, war mir klar: der Wahnsinn steckt im Detail. Unser Leben, die Zeit in der wir leben, ist verrückt – im wahrsten Sinne des Wortes. Nichts steht mehr an seinem Platz oder folgt einem logischen Plan.

Ich habe mir bewusst Zeit mit dem Hören von „Noah“ genommen. Ich brauchte den Abstand, um mich sammeln zu können. Mir scheint unsere Realität ist schlimmer, als jeder noch so schaurige Krimi. Nicht, dass die im Buch dargestellte Realität für mich neu wäre. Aber die für sich sprechenden Fakten so kumuliert dargestellt, lassen die Gewissheit entstehen, dass es schon lange nicht mehr „fünf vor zwölf“ ist. Für mich ist nach diesem Buch (erst recht) nichts mehr, wie es war. Dabei weiss ich nicht, was schlimmer ist, die Tatsachen, die für sich sprechen oder die gefühlte Machtlosigkeit in Anbetracht dieser verfahrenen Situation.

Leser und Hörer, mit Interesse an Verschwörungstheorien sowie Menschen, denen die Welt und unsere Existenz nicht gleichgültig sind, werden das Buch als wertvoll betrachten. Sebastian Fitzeks Worte am Ende seines Buches ebenso. Ich empfand sie als wichtig, bewegend und  würdigen Abschluss zu seinem Buch. (Man sollte sie deshalb auch nicht schon eher lesen!)

Was man aber schon mal lesen kann, um sich ein Bild von ihm zu machen, ist das Interview mit dem Autor – humorvoll und geistreich. Ich habe es bei der Recherche entdeckt und finde es „ganz Fitzek“.

* Quelle: Wikipedia „Noah“
photo © Weltbild, Lübbe

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