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Inspiration

Sie ist mein Schatz

Die folgenden Zeilen schrieb Robertson McQuilkin sechs Jahre nach dem er von seinem Posten als Präsident des Columbia Bible College zurückgetreten war, um sich ganz um seine Frau Muriel zu kümmern, die an Alzheimer erkrankt war.

Vor 17 Sommern begannen Muriel und ich unsere Reise in die Dämmerung.

Es ist inzwischen Mitternacht, jedenfalls für sie, und manchmal frage ich mich, wann endlich der Morgen kommt.

Diese schreckliche Krankheit bricht normalerweise nicht so früh aus und quält ihre Opfer nicht so lange. Doch irgendwie ist Muriel in ihrer stillen Welt auch so zufrieden und liebenswert.

Wenn Jesus sie heimholen würde, würde ich ihre sanfte, freundliche Anwesenheit sehr vermissen. Ja, es gibt auch Zeiten, in denen sie mich irritiert, aber das kommt nicht oft vor. Es hat auch wenig Sinn, wütend auf sie zu werden. Und anscheinend hat der Herr inzwischen das Gebet aus meiner Jugendzeit erhört, er möge mich zu einer barmherzigeren Persönlichkeit formen.

Einmal habe ich mich aber doch vollkommen vergessen. Es war in der Zeit, als Muriel noch selbst gehen konnte und wir uns noch nicht an Windeln gewöhnt hatten. Da gab es manchmal kleine „Unfälle“. Nach einer solchen Panne kniete ich neben Muriel auf dem Boden, um die Bescherung aufzuwischen, während sie verwirrt neben der Toilette stand. Es wäre einfacher gewesen, wenn sie nicht ständig versucht hätte, mir zu helfen. Ich wurde immer frustrierter.

Und plötzlich rutschte mir die Hand aus und ich schlug gegen ihre Wade – als ob das irgendetwas bringen würde.
Es war kein fester Schlag, aber sie erschrak sehr… und ich auch. Niemals in den 44 Jahren unserer Ehe hatte ich die Hand gegen sie erhoben; ich war nie auch nur in Versuchung gewesen, so etwas zu tun. Und jetzt hatte ich es getan, wo sie mich am Dringendsten brauchte…
Unter Tränen bat ich sie um Verzeihung – es war mir ganz egal, dass sie meine Worte nicht verstand. Ich wandte mich auch an den Herrn und sagte ihm, wie Leid mir der Vorfall tat. Ich brauchte Tage, um darüber hinwegzukommen. Vielleicht hat der Herr diese Tränen aufbewahrt, um die Flammen des Zorns zu löschen, die dann und wann wieder aufflackern?

Kürzlich fragte mich eine junge Frau : „Werden Sie es eigentlich nie müde?“

„Müde? Natürlich. Jeden Abend!“
„Nein, ich meine… werden Sie ihrer nicht überdrüssig?“ Sie nickte zu Muriel, die in ihrem Rollstuhl saß und mit leeren Augen vor sich hinstarrte.

Ich sagte: „Nein. Eigentlich nicht. Ich sorge gern für sie. Sie ist doch mein Schatz!“

Es heißt, dass Liebe nur gedeiht, wenn die Beziehung von beiden Partnern gleichermaßen gepflegt wir; wenn auch der Sex nicht zu kurz kommt; wenn beide Partner gut miteinander kommunizieren; wenn beide ihren Teil der Arbeit tun.

Wenn ich die Litanei der unverzichtbaren Elemente für eine funktionierende Partnerschaft höre, rechne ich das ab, was meine Geliebte nicht mehr beitragen kann, und dann vertiefe ich mich in den Gedanken, wie wirklich geheimnisvoll doch die Liebe ist.

Was manche Menschen so schwer zu begreifen scheinen, ist, dass es nicht schwer ist, Muriel zu lieben. Sie fragen sich, was aus meinen anderen Leidenschaften geworden ist – wie zum Beispiel meiner Arbeit.

„Vermissen Sie es nicht, der Leiter einer Bibelschule zu sein?“, fragte mich ein Student einmal, als wir in unserem kleinen Garten saßen. Ich sagte ihm, dass ich eigentlich nie darüber nachdachte, aber wenn ich es mir jetzt überlegte – nein. So sehr ich meine Arbeit auch genossen habe, es macht mir auch Freude, für Muriel und mich zu kochen und mich um den Haushalt zu kümmern. Nein, ich hatte nie zurückgeschaut.

Doch an diesem Abend dachte ich über diese Frage nach und gab sie an den Herrn ab.
„Vater, ich erfülle diesen Auftrag gern und ich bereue nichts. Aber wenn ein Trainer einen Spieler auf die Bank schickt, will er ihn nicht im Spiel haben. Du musst es mir natürlich nicht sagen, aber ich wüsste gern, warum du mich aus dem Spiel genommen hast.“

Ich habe in dieser Nacht nicht gut geschlafen.
Muriel war damals noch mobil, daher brachen wir bald zu unserem Morgenspaziergang um den Block auf. Sie war sich ihrer Beine nicht mehr sicher, daher gingen wir langsam und hielten uns an den Händen, wie wir das immer taten. Ich hörte Schritte hinter uns und drehte mich um. Ein stadtbekannter Obdachloser schlurfte hinter uns her. Er besah sich uns von oben bis unten,dann murmelte er: „Das ist gut! Gefällt mir. Echt gut. Gefällt mir!“ Er drehte sich um und ging wieder zurück, und ich hörte ihn immer wieder sagen: „Das ist gut! Gefällt mir!“

Als Muriel und ich wieder zu Hause waren, fielen mir seine Worte wieder ein. Und dann traf es mich wie ein Blitz – genau das war es, was Gott mir sagen wollte: „Es ist gut. Es gefällt mir, was du tust.“  Der Herr hatte durch einen alten Obdachlosen zu mir gesprochen. „Ich mag auf der Bank sitzen, aber wenn dir gefällt, was ich tue, dann ist das alles, was zählt!“

Ich glaube, mein Leben ist glücklicher als das von fünfundneunzig Prozent der Menschen auf dem Planeten Erde!

(Autor unbekannt) Den Text habe ich bei Mira Staubfluse gefunden- ♥ Danke dafür!
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