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Inspiration

Wertvoller als Gold

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… ist ein Handwerk

Teil II der Geschichte

Fortsetzung der Geschichte vom letzten Sonntag…
Teil 1 >>>

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Monate vergingen, und der König arbeitete weiter hart. Wieder einmal war die Zeit gekommen, da der König hinaus ins Land gehen wollte, um zu hören, was die Menschen denken.

Er sprach mit seiner Frau über die alte Gewohnheit, sich in die Gewänder der Armen zu hüllen, um zu erfahren, was das Volk wirklich denkt. Obwohl sie nur ungern allein im Schloss blieb, nicht einmal ein paar Tage lang, war sie bereit, ihm in jeder Weise zu helfen. Sie sorgte für die Wegzehrung und bald schon wanderte der König wieder auf den Straßen seines Landes, als Bettler verkleidet.

Er besuchte die entlegensten Gebiete seines Reiches und begann dort mit den Menschen zu sprechen. Wie er es auch schon früher getan hatte, stellte er ihnen Fragen über den König und seine Statthalter.

Dieses Mal jedoch hatte das Schicksal besondere Pläne mit ihm. Sklavenhändler nämlich nahmen den vermeintlichen Bettler gefangen und suchten dann nach einem Käufer für ihn.

Anfangs wehrte sich der König und schrie: „Ihr wisst nicht, was ihr da tut! Ich bin der König! Lasst mich augenblicklich frei!“ Die Entführer lachten nur: „Aber sicher, natürlich, du bist der König!“ sagten sie. „Schau dir deine Kleider an. Sicher eines Königs würdig!“

Bald darauf wurde er an einen reichen Kaufmann verkauft, der ihn in seinem Keller gefangen hielt. Der Mann fragte ihn, was er denn am besten könne, worauf der König antwortete: „Teppichweben.“

„Das soll deine Arbeit für mich sein“, sagte der Mann, „und sei gewiss:
Nur dein Bestes zählt, wenn du hier Dein Essen verdienen willst.“

Der König begann zu weben, Tag für Tag, und während er arbeitete, sann er pausenlos über Fluchtmöglichkeiten nach. Er vermisste seine Frau, die Hauptstadt und sein früheres Leben.

Eine Freude war ihm jedoch geblieben: die Kunst des Teppichwebens. Jeden Tag gab er sein Bestes, nicht weil es ihm sein Herr befohlen hatte, sondern weil sein einziges Glück darin bestand, seine Arbeit gut zu machen.

Wer des Königs Teppiche zu Gesicht bekamen, hielt sie für die besten, die er je gesehen hatte. Viele wünschten sich einen solchen Teppich, und sie wurden mit so hohem Gewinn verkauft, dass es nicht lange dauerte, bis die Frau des Kaufmanns eine Idee hatte und ihrem Mann davon erzählte.

„Unser Weber hier ist der beste in der ganzen Gegend und vermutlich sogar im ganzen Land. Warum lassen wir ihn nicht einen Teppich weben als Geschenk für den König? So können wir vielleicht seine Gunst gewinnen.“ 

Dem Mann gefiel der Gedanke außerordentlich. Er ging zum Weber und befahl: „Du wirst einen Teppich weben als Geschenk für den König, und es soll der beste werden, den du jemals gemacht hast. Er soll ins Schlafzimmer des Königs passen, er soll weder zu breit noch zu lang sein, nicht einmal um Haaresbreite. Wenn du versagst, verlierst du deinen Kopf!“

Der König arbeitete Tag und Nacht, Monate lang. Als der Teppich schließlich fertig war, waren sich alle einig: ein wahres Meisterwerk, eines Königs würdig!

Selbstgefällig lud der reiche Mann den Teppich auf ein Kamel und machte sich auf den Weg in die Hauptstadt. Als er endlich den Palast erreichte, teilte ihm ein Hofbeamter mit, dass der König zwar nicht anwesend sei, die Königin ihn aber empfangen würde.

„Ich habe ein Geschenk für den König“, sagte er, als er schließlich vorgelassen wurde. „Es ist der schönste Teppich, den die Welt je gesehen hat. Würden Sie bitte dem König meinen Namen und den Namen meines Dorfes mitteilen, wenn er zurückkehrt. Aber zuerst sollten wir ihn in das Gemach des Königs bringen, um zu sehen, ob er passt.“

Und tatsächlich, er war weder zu breit noch zu lang, kein Haar passte mehr zwischen Wand und Teppich. Die Königin zeigte sich hoch erfreut. Sie ging auf ihm herum, freute sich an den Farben und am ungewöhnlichen Muster.

An einer Stelle des Teppichs blieb sie stehen und beugte sich herab. Ein kleines Ornament in Gestalt eines Schlüssels war dort eingewoben. Sie warf einen langen Blick darauf und erhob sich dann.

„Guter Mann, wer ist die Frau, die diesen Teppich gewoben hat?“ fragte sie den Besucher.

„Nicht eine Frau, ein Mann hat ihn gewoben“, sagte der reiche Mann, „einer meiner Angestellten, der beste Teppichweber im ganzen Königreich.“

„Ja, ich glaube auch, dass er der Beste ist“, sagte die Königin. „Ich möchte ihn sehen und ihn für seine Arbeit belohnen.“

Das hatte der reiche Mann nicht erwartet. Aber was blieb ihm anderes übrig? Die Königin verlangte es, er musste gehorchen. Und so machte er sich wieder auf den Weg in sein Dorf und sagte zu dem Weber:

„Die Königin möchte dich sehen. Vielleicht ist auch der König zugegen. Aber höre auf meine Worte: Wenn du einen Fehler machst und ein Wort darüber verlierst, dass du mein Gefangener bist, dann wird es dein Tod sein.“

Der reiche Mann brachte den Weber(König) ins türkische Bad, ließ ihn waschen und rasieren und mit schönen Gewändern versehen. Dann machten sie sich gemeinsam wieder auf den Weg in die Hauptstadt, begleitet von einigen Bediensteten des Kaufmanns, die als Wachen amtierten.

Während der Reise belehrte der reiche Mann den Weber, wie er sich im Angesicht von König und Königin zu benehmen habe, wann er sich verbeugen, wann er sie mit „Eure Hoheit“ anreden müsse und so weiter.

Schließlich gelangten sie zum Palast und wurden der Königin angekündigt. Die Königin kam nach draußen, und der reiche Mann und der Weber stiegen die Treppen zu ihr herauf.

Augenblicklich umarmten sich König und Königin und waren überglücklich.

Den reichen Mann erfüllte ein seltsames Unbehagen, er wollte davonlaufen, konnte sich aber nicht von der Stelle rühren. Der König wandte sich zu ihm und sagte: „Jetzt verstehst du sicherlich, dass ich die Maße meines eigenen Gemachs kannte. Ich werde dein Leben schonen, obwohl du mir meins nehmen wolltest. Aber dein gesamter Reichtum, dein Land, dein Gold und auch die Teppiche, die ich gewoben habe, sollen von dir genommen und unter den Armen verteilt werden.“

Und so geschah es.

Noch lange Jahre danach erzählte der König diese Geschichte seinen Kindern. Und vor allem, wie er das Muster eines kleinen goldenen Schlüssels, den er seiner Frau zur Hochzeit geschenkt hatte, in den Teppich, der ihm selbst als Geschenk zugedacht war, eingewoben hatte. Und von der Mühe, welche die Königin hatte, ihre Überraschung vor dem reichen Mann zu verbergen, als sie das Muster im Teppich entdeckte und so ihrem Mann zur Freiheit verhelfen konnte.

Und drei Äpfel fielen vom Himmel. Einer für den Geschichtenerzähler, einer für denjenigen, der der Geschichte zuhörte, und einer für den besten Teppichweber der Welt.

ENDE!

(Der Verfasser ist mir leider unbekannt.)
Vielleicht findet er sich beim Teilen der Geschichte… DANKE!

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